Unser "Anti-Schutzgeld-Stadtplan" ab sofort mit über 100 neuen Geschäften!
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Die Schutzgelderpressung zu bekämpfen und Geschäfte zu fördern, die sich der organisierten Kriminalität explizit entgegensetzen, ist eine Bürgerpflicht; allerdings bedarf es in vielen Fällen einer gehörigen Portion Mut, sich dieser Pflicht anzunehmen. Die schutzgeldfreie Karte von Neapel, Ercolano und Pomigliano d’Arco ist auch im Generalkonsulat verfügbar und zeigt 250 Geschäfte, Reisebüros, Hotels und B&B in Neapel und Umland, die kein Schutzgeld zahlen und sich verpflichten, Erpresser anzuzeigen. Ein wichtiges kulturelles Signal, das schon seine Wirkung zeigt: seit Mai 2012 verteilt das Generalkonsulat zusammen mit dem Stadtplan ein Zusatzblatt mit über 100 neuen schutzgeldfreien Geschäften. Die Liste mit allen Geschäften gibt es hier:
NUOVA LISTA ADDIOPIZZO - NEUE ANTI-SCHUTZGELD-LISTE [pdf, 487,97k]
Die ersten Stadtpläne wurden am 26.10.2011 einer Gruppe von deutschen Touristen übergeben, die mit "Studiosus" eine Neapel-Reise unternommen haben. Der Reiseveranstalter hat den Druck der ersten Auflage gesponsert. Weiter unten finden Sie den Link zum Fotoalbum von der Übergabe.
Fotoalbum von der Übergabe der ersten Stadtpläne
„Es bedeutet“, sagt einer der besonders bedrohten Geschäftsleute, „dass die Dinge sich wirklich von einem Tag auf den anderen ändern können. Vor einer Woche hatten wir die Absicht, Basta zu sagen und Pläne für unsere Zukunft zu machen, und schon eine Woche später ist daraus etwas viel Größeres, Überzeugteres geworden. Darf ich das sagen? Wir werden nicht aufgeben. Jetzt erst recht nicht.”
Die Teilnahme an der Initiative breitet sich immer mehr aus und viele drücken dem deutschen Generalkonsulat ihre Dankbarkeit für die Unterstützung aus. Am Schaufenster eines Reisebüros klebt seit Monaten ein „Anti-Schutzgeld“-Aufkleber, der die Aufmerksamkeit und Anerkennung der Kunden auf sich zieht. „Die Chefin könnte das bestimmt besser ausdrücken“, sagt Massimo, einer der Mitarbeiter schüchtern, „aber ich bin überzeugt, dass wir die gesunde Wirtschaft und all die schützen müssen, die sich gegen Schutzgelderpressung und Einschüchterungsversuche auflehnen. Deswegen haben wir mitgemacht. Und zwar sofort, als die Kampagne in Neapel begonnen wurde.“
Salvatore, Besitzer eines Lebensmittelladens, sagt es noch deutlicher. „Wir haben mitgemacht, weil es früher oder später passieren ‚musste’. Es gibt keinen Weg zurück: wenn man Neapel liebt und die Regeln respektieren will, kann man gar nicht anders handeln. Das haben wir auch bei der Veranstaltung am 19. Oktober bekräftigt: wir wollen eine bessere Zukunft für unsere Kinder, für uns und für alle, die einer ehrlichen Arbeit nachgehen.“
Der Besitzer einiger Bekleidungsgeschäfte zeigt Zivilcourage: „Alle wissen, dass schon seit Jahren Leute zu uns kamen um uns … sagen wir… zu stören und – mehr oder weniger offen – Geld von uns, die wir ehrlich arbeiten, zu fordern. Dann haben wir einen dieser Herren angezeigt und uns an der Initiative für mehr Legalität beteiligt. Ich kann aber auch meine Kollegen verstehen, die zum Teil noch zögern, offen darüber zu sprechen. Auch für sie habe ich den vollsten Respekt.“
Noch ein Reisebüro, und noch ein wichtiges Bekenntnis: „Ob man für Legalität eintreten will, braucht man nicht zu diskutieren, man macht es und basta“ sagt Giuseppe, „und das bedeutet für uns, mit erhobenem Kopf auf die Straße zu gehen und zu bekräftigen, dass wir hier in Neapel leben und arbeiten. Unsere Stadt muss unsere Stadt sein, und solche Untaten dürfen sich nie mehr wiederholen. Ob es noch Leute gibt, die nicht mitmachen? Natürlich gibt es die, aber ihr werdet schon sehen: bald werden uns alle, und ich meine alle, folgen.“
Und wenn man sich die Liste der vielen Geschäfte ansieht, die Lebensmittel, Obst, Fisch oder Brot verkaufen und deren Meinung wir jetzt nicht gehört haben, muss man sagen: es wird kein leichter Weg. Aber die, die ihn einschlagen, werden immer mehr… oder noch besser: es werden „alle“ sein. Für eine neue Kultur der Legalität, und nicht nur in Neapel.
Giancarlo Riccio